Meilensteine Automobil-Design - Teil 3
Beispiel Mercedes-Benz
Die Neue Sammlung
Design in der Pinakothek der Moderne
Eine Ausstellung der Neuen Sammlung München.
In Zusammenarbeit mit der Daimler AG

Benz 200 PS Rekordwagen, 1909
Blitzen-Benz
Der Blitzen-Benz durchbricht 1909 erstmals die magische Marke von 200 km/h. 1911 stellt dieses Fahrzeug den Weltrekord von 228,1 km/h auf. Auf Schauveranstaltungen in den USA wird der Blitzen-Benz als „achtes Weltwunder“ bestaunt. Rekonstruktion mit Originalteilen
- Baujahr des Originals: 1909
- Motor: 4 Zylinder (Reihe), Ottomotor
- Hubraum: 21.504 cm3
- Leistung: 200 PS (147 kW) bei 1600/min
- Höchstgeschwindigkeit: 228,1 km/h
- Stückzahl: 6
- Produktionszeitraum: 1909 bis 1913

Mercedes-Benz 540 K, 1938
Autobahnkurier
Der Autobahnkurier ist der Inbegriff von Modernität auf Rädern und ein Symbol für die Überwindung von Distanzen bei hohem Tempo und bestem Komfort. Dieses Fahrzeug wurde von seinem Erstbesitzer, einem spanischen Augenarzt, in Nordafrika und später für häufige Fahrten zwischen Spanien und der Schweiz genutzt.
- Baujahr: 1938
- Motor: 8 Zylinder (Reihe), Ottomotor mit Kompressor-Aufladung
- Hubraum: 5401 cm3
- Leistung: 115 PS (85 kW) bei 3400/min, mit Kompressor 180 PS (132 kW)
- Höchstgeschwindigkeit: 170 km/h
- Stückzahl: 419 (alle Varianten des 540 K)
- Produktionszeitraum: 1936 bis 1939 (alle Varianten des 540 K)

Mercedes-Benz W 196 R, 1954
Stromlinie
Mit diesem Fahrzeug kehrt Mercedes-Benz 1954 in den Grand-Prix-Rennsport zurück. Am 4. Juli erzielen Juan Manuel Fangio und Karl Kling beim Großen Preis von Frankreich auf Anhieb einen Doppelsieg. Der 2,5-Liter-Rennwagen bringt Fangio und Mercedes-Benz 1954 und 1955 den Formel-1-Weltmeistertitel.
- Baujahr: 1955
- Motor: 8 Zylinder (Reihe), Ottomotor mit Direkteinspritzung
- Hubraum: 2497 cm3
- Leistung: 290 PS (213 kW) bei 8500/min
- Höchstgeschwindigkeit: 305 km/h
- Produktionszeitraum: 1954 bis 1955
Leihgabe des Technischen Museum Wien

Mercedes-Benz 300 SL, 1954
Flügeltürer
Die Gene des 300 SL Seriensportwagens liegen im Rennsport-Coupé von 1952, das in der Rennsaison 1952 unter anderem die Panamericana und das 24-Stunden-Rennen von Le Mans gewinnt. Die 1954 in New York präsentierte Serienversion des 300 SL avanciert schnell zum Traumsportwagen der 1950er-Jahre.
- Baujahr: 1955
- Motor: 6 Zylinder (Reihe), Ottomotor mit Direkteinspritzung
- Hubraum: 2996 cm3
- Leistung: 215 PS (158 kW) bei 5800/min
- Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h
- Stückzahl: 1400
- Produktionszeitraum: 1954 bis 1957
Mercedes-Benz Designstudie C 111-III, 1977
1977 entsteht mit dem C 111-III eine Design-Studie, die aerodynamische Erkenntnisse in Design-Funktionen umsetzt. Der herausragende cw-Wert von 0,178 wird durch die partielle Anwendung scharfkantiger Design-Elemente erzielt, die parallel zu den Strömungslinien verlaufen. Diese signifikanten Elemente nehmen mit der Gestaltung des Mercedes-Benz 190 ihren Weg in die Seriengestaltung.
Auf Basis der Designstudie wird ein Jahr später, 1978, ein Diesel-Rekordwagen entwickelt. Mit seiner Stromlinienkarosserie und einem 5-Zylinder-Turbodieselaggregat ausgestattet, fährt der C 111-III für Mercedes-Benz neun Weltrekorde ein.
Bereits 1969 hatte der Vorläufer C 111, ein Experimentalfahrzeug, mit seinem damals zukunftsweisenden Design und seinem Wankelmotor Furore gemacht.

Mercedes-Benz Forschungsfahrzeug, 2005
Bionic Car
Der tropische Kofferfisch ist Vorlage für dieses Forschungsfahrzeug, mit dem Mercedes-Benz im Jahr 2005 aktuelle Vorstellungen von einem strömungsgünstigen, sicheren, komfortablen und umweltverträglichen Automobil anspricht.
- Baujahr: 2005
- Motor: 4 Zylinder (Reihe), Turbodiesel mit Common-Rail-Direkteinspritzung
- Hubraum: 1991 cm3
- Leistung: 140 PS (103 kW)
- Stückzahl: 1

Formentwicklung: CLS Fräsmodell
Das Modell besteht aus einem Metallträger, einem Hartschaumkern und einer Schicht aus 2-Komponenten-Masterpaste. Mit den aus den Tonmodellen generierten Daten wird die Form in Originalgröße gefräst und ist Grundlage für die Serienentwicklung.
Bei seiner Markteinführung im Jahr 2004 ist der CLS ein Novum in der modernen Autowelt, indem er die bis dato unübliche Kategorie des viertürigen Coupés für Mercedes-Benz besetzt.

Formentwicklung: Tonmodelle
- Die lackierten Tonmodelle von 1996 zeigen verschiedene Formvorschläge im Maßstab 1:4 für den SL von 2001.
- Ein so genanntes Tonmodell wird auf einer Wabenplatte und PU-Hartschaum aufgebaut. Die Außenschicht von 10 mm Plastilin läßt sich mit speziellen Modellierwerkzeugen bearbeiten.
- Der wesentliche Schritt im Gestaltungsprozess ist das Modellieren im Maßstab 1:4. Die Entwürfe der Designer werden dabei in die dreidimensionale Form übertragen. Für jede Baureihe entstehen etwa acht unterschiedliche Tonmodelle – auch zur Überprüfung der Aerodynamik.
- Das fertig lackierte Tonmodell wird an bestimmten Punkten markiert und optisch abgetastet. Die Messdaten sind die Basis für ein Datenmodell. Alle technischen Anforderungen an die Form lassen sich damit überprüfen.
Strömungslinienmodell
Das maßstäblich vergrößerte Abbild eines Kofferfisches wurde im Windkanal untersucht. Während der Anströmung wird eine spezielle Farbe auf das Modell gesprüht, um die Stromlinien sichtbar zu machen. Auf diese Weise stellt sich die Strömungsrichtung direkt auf der Oberfläche dar. Dieses Modell erreicht im Windkanal einen cw-Wert von 0,06.