(ots) Eine bisher weitgehend ungeklärte Frage betrifft die Bestimmung
sogenannter Schwellenwerte bei Pollenallergikern. Das ist die Zahl an
Pollen in der Luft, die bei Patienten mit Heuschnupfen oder
Pollenasthma allergische Beschwerden auslösen. Eine neues
Online-Pollentagebuch macht ab sofort eine europaweite Erfassung von
Patientensymptomen in Verbindung mit der Stärke des regionalen
Pollenflugs möglich - und erlaubt zukünftig hochinteressante
Antworten.
Der "Schwellenwert" ist von Patient zu Patient unterschiedlich, da
die Empfindlichkeit der Schleimhäute von Nase, Augen und Lunge
unterschiedlich ausgeprägt und von verschiedenen Faktoren wie
beispielsweise Atemwegsinfekten, Stäuben am Arbeitsplatz und
Medikamenten beeinflusst wird. Daneben variieren diese Werte auch von
Pollenart zu Pollenart: so lösen bereits etwa zehn Pollen von
Ambrosia plötzliche Nasenbeschwerden bei Erkrankten aus. Von derHaselnuss müssen deutlich mehr Pollen in der Luft fliegen, um die
gleichen Symptome hervorzurufen. In Deutschland lösen zwischen fünf
bis über 100 Pollen pro Kubikmeter Luft der wichtigsten Arten Hasel,
Erle, Birke, Gräser, Roggen, Beifuß und Ambrosia bei
Pollenallergikern die lästigen allergischen Symptome, wie tränende
Augen, Fliesnase, Niesattacken oder asthmatische Symptome wie Husten
und Atemenge aus. Dabei ist die Reaktion auf die Pollenbelastung ist
bei jedem Allergiker anders.
Das neue Tagebuch ermöglicht Menschen mit Heuschnupfen, ihre
aktuellen Beschwerden an Augen, Nase und Lunge mit den Werten der
Pollenaktivität von Orten, an denen sie sich gerade aufhalten, zu
verbinden. Die Ergebnisse geben Aufschluss über den persönlichen
Grund einer Verschlechterung oder Verbesserung der Symptome,
beispielsweise im Urlaub oder auf Geschäftsreisen. Die tägliche
Protokollführung im neuen Internet-Pollentagebuch unterstützt
Allergiker jetzt dabei, ihre Beschwerdeintensität und die Stärke des
aktuellen Pollenflugs schnell und selbst zu analysieren. Zudem
erhalten die Tagebuchnutzer eine individuelle Auswertung ihrer
Pollensaison. Das Pollentagebuch unterscheidet sich von bisherigen
Tagebüchern vor allem durch die Berücksichtigung des tatsächlichen
Aufenthaltortes von Allergikern und die damit verbundene unmittelbare
Verknüpfung mit ihren Beschwerden. Erstmals kann die regional und
individuell unterschiedlich empfundene Pollenbelastung von jedem
Betroffenen erfasst werden.
Durch die Bereitstellung der Pollendaten aus ganz Deutschland in
der Europäischen Pollendatenbank (EAN), können Patienten ab sofort
täglich ihre Beschwerden mit dem regionalen Pollenflug in Verbindung
bringen - egal, wo in Europa sie sich gerade befinden.
Es werden zum Vergleich mit ihren Beschwerden immer die Messdaten
der dem Aufenhaltsort (Postleitzahl) am Nächsten liegende Meßstelle
verwendet. Als Ergebnis dieser Datensammlung und Auswertung sind
Allergiker zukünftig, ähnlich den UV-Hauttypen, in verschiedene
"Klassen" einteilbar. Der deutsche Polleninformationsdienst kann
damit seine Vorhersagen bezüglich des Risikos von Beschwerden bei
bestimmten Pollenmengen in der Luft verbessern und damit die Qualität
der Prognosen steigern. Ärzten ermöglicht das Pollentagebuch
zukünftig noch bessere Unterstützung bei der Diagnose einer
Pollenallergie und einer Therapieoptimierung.
Das Online-Pollentagebuch ist eine Entwicklung des
Österreichischen Pollenwarndienstes, einer Einrichtung der
Universitäts-HNO-Klinik am Wiener Allgemeinen Krankenhaus (AKH). Esist ein weltweit neues Hilfsmittel, das die Lebensqualität der
Patienten sowie die Arbeit der Allergologen und Wissenschaftler
nachhaltig beeinflussen wird. Die Zusammenarbeit mit anderen Ländern
ist dabei sehr wichtig, da Pollen hunderte von Kilometern durch die
Luft fliegen können. Die Daten aller involvierten europäischen Länder
werden in Wien gesammelt und gemeinsam mit der Stiftung Deutscher
Polleninformationsdienst ausgewertet. Es kann auch geprüft werden, ob
die bisher als Hauptverursacher angesehenen sieben Pollenarten die
eigentlichen Hauptallergene sind, oder weitere Pollenarten für
Gruppen von Allergikern wichtig sind.
Gemeinsam mit der Europäischen Stiftung für Allergieforschung
(ECARF), mit Sitz an der Berliner Charit, initiiert und fördert die
Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst (PID) aus Bad Lippspringe
jetzt dieses Projekt in Deutschland. Damit helfen sie, das
Bewusstsein für allergische Erkrankungen weiter zu verstärken und
ermöglichen den Heuschnupfenallergikern, ihrer Krankheit besser zu
verstehen und mit ihr leben zu können.
Der Service ist im Internet unter http://phd.polleninfo.org oder
www.pollenstiftung.de kostenfrei in fünf Sprachen (deutsch,
englisch, französisch, serbisch und türkisch) abrufbar.
Weiterführende Informationen über Pollenallergien und
Pollenflugvorhersagen gibt es unter www.ecarf.org und
www.pollenstiftung.de .
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